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Read Ebook: A Butterfly on the Wheel: A Novel by Hemmerde Edward G Edward George Neilson Francis Thorne Guy

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Ebook has 1817 lines and 50108 words, and 37 pages

Illustrator: Alfred Kubin

Translator: Gisela Etzel Theodor Etzel

EDGAR ALLAN POE LIGEIA UND ANDERE NOVELLEN SIEBEN GEDICHTE

EDGAR ALLAN POE

LIGEIA UND ANDERE NOVELLEN ?BERSETZT VON GISELA ETZEL SIEBEN GEDICHTE ?BERSETZT VON THEODOR ETZEL

MIT VIERZEHN BILDBEIGABEN VON ALFRED KUBIN

BERLIN / IM PROPYL?EN-VERLAG

Alle Rechte vorbehalten

Copyright 1920 by Propyl?en-Verlag G. m. b. H. in Berlin

LIGEIA

Und es liegt darin der Wille, der nicht stirbt. Wer kennt die Geheimnisse des Willens und seine Gewalt? Denn Gott ist nichts als ein grosser Wille, der mit der ihm eignen Kraft alle Dinge durchdringt. Der Mensch ?berliefert sich den Engeln oder dem Nichts einzig durch die Schw?che seines schlaffen Willens.

Joseph Glanvill

Bei meiner Seele! ich kann mich nicht erinnern, wie, wann und wo ich die erste Bekanntschaft machte -- der Lady Ligeia. Lange Jahre sind seitdem verflossen, und mein Ged?chtnis ist schwach geworden durch vieles Leiden. Vielleicht auch kann ich mich dieser Einzelheiten nur darum nicht mehr erinnern, weil der Charakter meiner Geliebten, ihr umfassendes Wissen, ihre eigenartige und doch milde Sch?nheit und die ?berw?ltigende Beredsamkeit ihrer sanft t?nenden Stimme -- weil dies alles zusammen nur ganz allm?hlich und verstohlen den Weg in mein Herz nahm, zu allm?hlich, als dass ich daran gedacht h?tte, mir jene ?usseren Umst?nde einzupr?gen.

Ich habe jedoch das Empfinden, als sei ich ihr zum ersten Mal und hierauf wiederholt in einer altert?mlichen Stadt am Rhein begegnet. Und eins weiss ich bestimmt: sie erz?hlte mir von ihrer Familie, die sehr alten Ursprungs war. -- Ligeia! Ligeia! -- Trotzdem ich in Studien vergraben bin, deren Art mehr noch als alles andre dazu angetan ist, mich von Welt und Menschen abzusondern, gen?gt dies eine s?sse Wort >>Ligeia<<, um vor meinen Augen ihr Bild erstehen zu lassen -- das Bild von ihr, die nicht mehr ist. Und jetzt, w?hrend ich schreibe, ?berf?llt mich urpl?tzlich das Bewusstsein, dass ich von ihr, meiner Freundin und Verlobten, der Gef?hrtin meiner Studien und dem Weib meines Herzens, den Namen ihrer Familie nie erfahren habe. War es ein schalkhafter Streich, den Ligeia mir gespielt hatte? War es ein Beweis meiner bedingungslosen Hingabe, dass ich nie eine Frage danach tat? Oder war es meinerseits eine Laune, ein romantisches Opfer, das ich auf den Altar meiner leidenschaftlichen Ergebenheit niedergelegt hatte? Der blossen Tatsache sogar kann ich mich nur unklar erinnern -- was Wunder, dass ich die Gr?nde daf?r vollst?ndig vergessen habe! Und wirklich, wenn jemals der romantische Geist der bleichen und nebelbeschwingten Aschtophet des g?tzengl?ubigen ?gyptens, wie die Sage meldet, ?ber ungl?ckliche Ehen geherrscht hat, so ist es gewiss, dass er meine Ehe stiftete und beherrschte.

Immerhin hat mich wenigstens in einem Punkt meine Erinnerung nicht verlassen: die Pers?nlichkeit Ligeias steht mir heute noch klar vor Augen. Sie war von hoher, schlanker Gestalt, in ihren letzten Tagen sogar sehr hager. Vergebliches Bem?hen w?re es, wenn ich eine Beschreibung der Erhabenheit, der w?rdevollen Gelassenheit ihres Wesens oder der unvergleichlichen Leichtigkeit und Elastizit?t ihres Schreitens versuchen wollte. Sie kam und ging wie ein Schatten. War sie in mein Arbeitszimmer gekommen, so bemerkte ich ihre Anwesenheit nicht eher, als bis ich den lieben Wohlklang ihrer sanften, s?ssen Stimme vernahm oder ihre marmorweisse Hand auf meiner Schulter f?hlte. Kein Weib auf Erden trug solche Sch?nheit im Antlitz wie sie! Strahlend sch?n war sie, wie die Erscheinung eines Opiumtraumes, wie eine g?ttliche, beseligende Vision -- g?ttlicher noch als die Traumgebilde, die durch die schlafenden Seelen der T?chter von Delos wehen. Doch waren ihre Z?ge keineswegs von jener Regelm?ssigkeit, wie die klassischen Bildwerke des Heidentums sie aufweisen und die man mit Unrecht so ?bertrieben bewundert. >>Es gibt keine auserlesene Sch?nheit<<, sagt Bacon Lord Verulam da, wo er von allen Formen und Arten der Sch?nheit spricht, >>ohne eine gewisse Seltsamkeit in der Proportion.<< Aber wenn ich auch sah, dass die Z?ge Ligeias nicht von klassischer Regelm?ssigkeit waren, wenn ich auch feststellte, dass ihre Sch?nheit in der Tat >>auserlesen<< war, und f?hlte, dass viel >>Seltsamkeit<< in ihren Z?gen lag, so habe ich doch vergebens versucht, dieser Unregelm?ssigkeit auf die Spur zu kommen und meine Feststellung des >>Seltsamen<< zu begr?nden. Ich pr?fte die Kontur der hohen und bleichen Stirn -- sie war fehlerlos. Wie kalt klingt doch dies Wort f?r eine so g?ttliche Majest?t, f?r die wie reinstes Elfenbein schimmernde Haut, die gebieterische Breite und ruhevolle Harmonie dieser Stirn, die sanfte Erh?hung ?ber den Schl?fen, die eine ?ppige F?lle rabenschwarzer gl?nzender Locken umschmiegte -- Locken, die das homerische Epitheton >>hyazinthen<< so wunderbar ausf?llten! -- Ich pr?fte die feinen Linien der Nase: nirgends anders als auf althebr?ischen Medaillons hatte ich ebenso vollkommen Sch?nes gesehen; nur dort hatte ich eine gleich wundervolle Zartheit und dieselbe kaum wahrnehmbare Neigung zu sanfter Kr?mmung, dieselben harmonisch geschweiften Nasenfl?gel, die einen freien Geist verrieten, gefunden. -- Ich betrachtete den s?ssen Mund. Hier feierten alle Himmelswonnen ihr triumphierendes Fest: dieser entz?ckende Schwung der kurzen Oberlippe, diese weiche, woll?stige Ruhe der Unterlippe, diese t?ndelnden Gr?bchen, diese lockende Farbe, diese schimmernden Z?hne, die jeden Strahl des heiligen Lichtes widerspiegelten, mit dem ihr heiteres und ruhevolles und gleichwohl frohlockendes L?cheln sie blendend schm?ckte. -- Ich pr?fte die Form des Kinns und fand auch hier in seiner sanften Breite Majest?t, F?lle und griechischen Geist -- fand die Kontur, die der Gott Apoll dem Kleomenes, dem Sohn des Atheners, im Traume nur enth?llte. -- Und dann vertiefte ich mich in Ligeias grosse Augen.

F?r Augen finden wir im fernen Altertum kein Vorbild. Es mochte sein, dass eben hier -- in den Augen meiner Geliebten -- das Geheimnis lag, von dem Lord Verulam spricht. Sie schienen mir weit gr?sser als sonst die Augen unsrer Rasse. Sie waren ?ppiger als selbst die ?ppigsten Augen der Gazellen vom Stamme des Tales Nourjahad. Doch geschah es nur zuzeiten -- in Augenblicken tiefster Erregung --, dass diese >>Seltsamkeit<<, von der ich vorhin sprach, deutlicher bei ihr wahrnehmbar wurde. Und in solchen Augenblicken war Ligeias Sch?nheit -- vielleicht kam es auch nur meiner ergl?hten Phantasie so vor -- die Sch?nheit von ?berirdischen oder unirdischen Wesen, die Sch?nheit der sagenhaften Huri der T?rken. Von strahlendstem Schwarz waren ihre Pupillen und waren tief beschattet von sehr langen, jettschwarzen Wimpern. Die Brauen, deren Linien kaum merklich unregelm?ssig waren, hatten die gleiche Farbe. Die Seltsamkeit aber, die ich in den Augen fand, lag nicht in Form, Farbe oder Glanz, sie muss wohl in ihrem Ausdruck gelegen haben. Ach, bedeutungsloses Wort! Leeres Wort, hinter dessen blossem Klang wir uns mit unsrer Unkenntnis alles Geistigen verschanzen.

Der Ausdruck von Ligeias Augen! O, wie viele Stunden habe ich ihm nachgesonnen! Wie habe ich eine ganze Mittsommernacht lang gerungen, ihn zu ergr?nden! Was war es, dies Etwas, das tief innen in den Pupillen meiner Geliebten verborgen lag, das unergr?ndlicher war als die Quelle des Demokritos? Was war es? Ich war wie besessen von dem Verlangen, es zu entdecken. Diese Augen! Diese grossen, diese schimmernden, diese g?ttlichen Augen! Sie wurden f?r mich die Zwillingssterne der Leda, und ich war ihr and?chtigster Astrologe.

Es gibt in der Psychologie viele unl?sbare R?tsel, das unheimlichste aber und aufregendste von allen erschien mir stets die Tatsache -- die ?brigens von den Psychologen kaum je erw?hnt worden ist --, dass wir oft, wenn wir etwas l?ngst Vergessenes wieder in unser Ged?chtnis zur?ckrufen wollen, bis an die Schwelle des Erinnerns gelangen, ohne doch das, was sozusagen schon vor uns steht, wirklich festhalten zu k?nnen. Und wie oft, wenn ich den Augen Ligeias nachsann, f?hlte ich mich der vollen Aufkl?rung ?ber die Bedeutung ihres Ausdrucks ganz nahe: ich f?hlte, diese Aufkl?rung war da -- gleich, gleich w?rde ich sie erfassen -- und da entschwebte sie wieder, noch ehe ich sie hatte festhalten k?nnen. Und -- sonderbares, o sonderbarstes Mysterium! -- ich fand in den gew?hnlichsten Dingen von der Welt eine Reihe von Analogien zu diesem Ausdruck. Ich will damit sagen: nachdem Ligeias eigenartige Sch?nheit mir bewusst geworden war und nun im Altarschrein meines Herzens ruhte, l?sten viele Erscheinungen der realen Welt dasselbe Empfinden in mir aus wie der Blick aus Ligeias grossen, leuchtenden Augen. Trotzdem aber wollte es mir nicht gelingen, dies Empfinden zu ergr?nden oder zu zergliedern; auch ?berkam es mich nicht stets in der gleichen St?rke. Um mich n?her zu erkl?ren: jenes Gef?hl erf?llte mich zum Beispiel beim Anblick einer schnell emporschiessenden Weinrebe, bei der Betrachtung eines Nachtfalters, einer Schmetterlingspuppe, eines eilig str?menden Wasserlaufes. Ich habe es im Ozean gefunden und beim Fallen eines Meteors, sogar im Blick ungew?hnlich alter Leute. Und es gibt am Firmament ein paar Sterne, vor allem ein ver?nderliches Doppelgestirn sechster Gr?sse nahe beim grossen Stern der Leier, bei deren Betrachtung durch das Teleskop ich mich des n?mlichen Gef?hls nicht erwehren konnte. Gewisse T?ne von Saiteninstrumenten und bestimmte Stellen in B?chern durchschauerten mich in ?hnlicher Art. Unter zahllosen andern Beispielen erinnere ich mich besonders eines Ausspruchs, den ich bei Joseph Glanvill fand und der -- vielleicht nur wegen seiner Wunderlichkeit -- immer wieder diese Stimmung in mir erweckte: >>Und es liegt darin der Wille, der nicht stirbt. Wer kennt die Geheimnisse des Willens und seine Gewalt? Denn Gott ist nichts als ein grosser Wille, der mit der ihm eignen Kraft alle Dinge durchdringt. Der Mensch ?berliefert sich den Engeln oder dem Nichts einzig durch die Schw?che seines schlaffen Willens.<<

Eifriges Nachdenken lange Jahre hindurch hat mir nun wirklich gewisse leise Beziehungen gezeigt zwischen diesem Ausspruch des englischen Philosophen und einem Teil von Ligeias Wesen. Es lebte in ihr ein unerh?rt starker Wille, der w?hrend unseres langen Zusammenlebens nie spontan zutage trat, sondern sich nur in einer unglaublichen Anspannung des Denkens, Tuns und Redens zu erkennen gab. Von allen Frauen, die ich je gekannt, war sie, die ?usserlich ruhevolle, die stets gelassen milde Ligeia, wie keine andre die Beute der tobenden Geier grausamster Leidenschaftlichkeit. Und diese Leidenschaftlichkeit enth?llte sich mir nur im wundervollen Strahlen ihrer Augen, die mich gleichzeitig entz?ckten und entsetzten, in der fast zauberhaften Melodie, Weichheit, Klarheit und W?rde ihrer sonoren Stimme und in der flammenden Energie, die in ihren seltsam gew?hlten Worten lag und die im Kontrast mit der Ruhe, mit der sie gesprochen wurden, doppelt wirkungsvoll war.

Ich erw?hnte schon das umfassende Wissen Ligeias: ihre Kenntnisse waren unermesslich -- f?r eine Frau ganz unerh?rt. In allen klassischen Sprachen war sie Meister, und auch in den modernen Sprachen des Kontinents habe ich ihr, soweit ich selbst mit diesen Sprachen vertraut war, nie einen Fehler nachweisen k?nnen. Und gab es denn ?berhaupt irgendein Thema aus den Gebieten der h?chsten und schwierigsten Wissenschaften, bei dem ich Ligeia jemals auf Unkenntnis oder Irrtum ertappt h?tte? Wie sonderbar, wie schauerlich! Diese eine Seite nur vom Wesen meiner Frau ist meinem Ged?chtnis heute noch erinnerlich. Ich sagte, an Wissen ?berragte sie weit alle anderen Frauen -- doch wo lebt der Mann, der die philosophische, physikalische und mathematische Wissenschaft in ihrer ganzen unermesslichen Ausdehnung so verst?ndnisvoll beherrscht h?tte?! Damals sah ich noch nicht, was ich jetzt klar erkenne, dass dies Wissen Ligeias unglaublich, dass es gigantisch war. Doch blieb ich mir ihrer unendlichen ?berlegenheit gen?gend bewusst, um mich mit kindlichem Vertrauen ihrer F?hrung durch die chaotische Welt metaphysischer Probleme, mit denen ich mich w?hrend der ersten Jahre unserer Ehe eifrig besch?ftigte, zu ?berlassen. Mit welch ungeheurem Triumph -- mit welch lebhaftem Entz?cken -- mit welch himmlischer Hoffnung konnte ich, wenn sie in diesem so unbekannten, so wenig gepflegten Studium sich helfend zu mir neigte, f?hlen, wie vor mir der herrlichste Ausblick sich ?ffnete und ein in diese gl?nzenden H?hen f?hrender, langer, k?stlicher und noch ganz unbetretener Pfad sichtbar wurde, auf dem ich wohl endlich empor ans Ziel einer Weisheit gelangen durfte, die zu g?ttlich erhaben ist, um nicht verboten zu sein!

Wie heftig muss da der Gram gewesen sein, mit dem ich einige Jahre sp?ter meine so festgegr?ndeten Hoffnungen Fl?gel nehmen und sich davonschwingen sah! Ohne Ligeia war ich nichts als ein durch Dunkel tastendes Kind. Nur ihre Gegenwart, ihr Erkl?ren brachte helles Licht in die vielen Mysterien des Transzendentalen, in die wir eingedrungen waren. Wenn den golden z?ngelnden Schriftzeichen der leuchtende Glanz ihrer Augen fehlte, wurden sie matter als stumpfes Blei. Und seltener und seltener fiel nun der Strahl dieser Augen auf die Bl?tter, ?ber deren Inhalt ich br?tete. Ligeia wurde krank. Die herrlichen Augen strahlten in ?bernat?rlichen Flammen, die bleichen H?nde wurden wachsfarben wie bei einem Toten, und die blauen Adern auf der hohen Stirn hoben sich und pochten ungest?m bei der geringsten Aufregung. Ich sah, dass sie sterben musste -- und mein Geist rang verzweifelt mit dem grimmen Azrael.

Noch angestrengter als ich -- rang zu meinem Erstaunen das leidenschaftliche Weib. So manches in ihrer ernsten Natur hatte in mir den Glauben gezeitigt, dass f?r sie der Tod keine Schrecken haben werde -- doch dem war nicht so. Es gibt keine Worte, die auch nur ann?hernd die Wildheit ihres Widerstandes beschreiben k?nnten, den sie dem Schatten Tod entgegensetzte. Ich st?hnte gequ?lt bei diesem mitleiderregenden Anblick. Ich wollte bes?nftigen, aber gegen?ber der unheimlichen Gewalt, mit der sie nur leben -- nur leben -- nichts als leben wollte, schienen Trost und Zuspruch uns?glich albern. Aber trotzdem sich ihr feuriger Geist so wild geb?rdete, bewahrte sie die Hoheit ihres ?usseren Wesens bis zum letzten Augenblick, dem Augenblick des Todeskampfes. Ihre Stimme wurde noch sanfter -- wurde noch tiefer -- dennoch m?chte ich jetzt bei dem grausigen Sinn der Worte, die sie in aller Ruhe sprach, nicht nachdenkend verweilen. Mein Geist, der diesen ?berirdischen T?nen hingerissen lauschte -- diesem Hoffen und Ringen, dieser gewaltigen Sehnsucht, wie nie zuvor ein Sterblicher sie f?hlte -- taumelte und verwirrte sich.

Dass sie mich liebte, daran hatte ich nie gezweifelt, auch konnte ich mir wohl sagen, dass die Liebe eines solchen Herzens nicht mit gew?hnlichem Mass zu messen sei. Aber erst in ihrem Sterben erhielt ich von der wahren Kraft ihrer Liebe den vollen Eindruck. Lange Stunden hielt sie meine Hand und sch?ttete vor mir das ?berfluten eines Herzens aus, dessen mehr als leidenschaftliche Ergebenheit an Anbetung grenzte. Wie hatte ich es verdient, mit solchen Bekenntnissen gesegnet zu werden? Und wie hatte ich es verdient, durch den Verlust der Geliebten verdammt zu werden -- in der n?mlichen Stunde, da sie mir diese Bekenntnisse machte? Doch ich kann es nicht ertragen, von diesen Dingen zu sprechen. Nur eines lasst mich sagen: ich erkannte in Ligeias mehr als weiblicher Hingabe an eine Liebe, die ich, ach, gar so wenig verdiente, den wahren Grund f?r ihr so tiefes, so wildes Begehren nach dem Leben -- dem Leben, das jetzt so eilend entfloh. F?r dies wilde Sehnen, f?r diese Gier und Gewalt des Verlangens nach Leben -- nur nach Leben -- finde ich keine Ausdrucksm?glichkeit; keine Worte gibt es, die es sagen k?nnten.

In der Nacht ihres Scheidens liess sie mich nicht von ihrer Seite. In tiefster Mitternachtsstunde bat sie mich, ihr einige Verse herzusagen, die sie selbst wenige Tage vorher verfasst hatte. Ich gehorchte. Hier sind sie:

O schaut, es ist festliche Nacht Inmitten einsam letzter Tage! Ein Engelchor, schluchzend, in Fl?gelpracht Und Schleierflor, sieht zage Im Schauspielhaus ein Schauspiel an Von Hoffnung, Angst und Plage, Derweil das Orchester dann und wann Musik haucht: Sph?renklage.

Schauspieler, Gottes Ebenbilder, Murmeln und brummeln dumpf Und hasten planlos, immer wilder, Sind Puppen nur und folgen stumpf Gewaltigen, d?steren Dingen, Die umziehn ohne Form und Rumpf Und dunkles Weh aus Kondorschwingen Schlagen voll Triumph.

Dies n?rrische Drama! -- O f?rwahr, Nie wird's vergessen werden, Nie sein Phantom, verfolgt f?r immerdar Von wilder Rotte rasenden Geb?rden, Verfolgt umsonst -- zum alten Fleck Kehrt stets der Kreislauf neu zur?ck --, Und nie die Tollheit, die S?nde, der Schreck Und das Grausen: die Seele vom St?ck.

Doch sieh, in die mimende Runde Dr?ngt schleichend ein blutrot Ding Hervor aus ?dem Hintergrunde Der B?hne -- ein blutrot Ding. Es windet sich! -- windet sich in die Bahn Der Mimen, die Angst schon t?tet; Die Engel schluchzen, da Wurmes Zahn In Menschenblut sich r?tet.

Aus -- aus sind die Lichter -- alle aus! Vor jede zuckende Gestalt Der Vorhang f?llt mit Wetterbraus, Ein Leichentuch finster und kalt. Die Engel schlagen die Schleier zur?ck, Sind erbleicht und entschweben im Sturm; >>Mensch<< nennen sie das tragische St?ck, Seinen Helden >>Eroberer Wurm<<.

>>O Gott!<< schrie Ligeia, sprang vom Bett auf und reckte die Arme empor. >>Gott! Gott! O g?ttlicher Vater! Muss das immer unab?nderlich so sein? Soll dieser Sieger nie, niemals besiegt werden? Sind wir nicht Teil und Teile von dir? Wer -- wer kennt die Geheimnisse des Willens und seine Gewalt? Der Mensch ?berliefert sich den Engeln oder dem Nichts einzig durch die Schw?che seines schlaffen Willens.<<

Und nun, wie von innrer Bewegung ?berw?ltigt, liess sie die weissen Arme sinken und kehrte feierlich auf ihr Sterbebett zur?ck. Und als sie die letzten Seufzer hauchte, kam gleichzeitig ein leises Murmeln von ihren Lippen. Ich legte das Ohr an ihren Mund und vernahm wieder die Schlussworte des Glanvillschen Ausspruchs: >>Der Mensch ?berliefert sich den Engeln oder dem Nichts einzig durch die Schw?che seines schlaffen Willens.<<

Sie starb. Und ich, der vom Gram v?llig zermalmt war, konnte nicht l?nger die einsame Verlassenheit meiner Behausung in der d?steren und verfallenen Stadt am Rhein ertragen. Ich hatte keinen Mangel an dem, was die Welt >>Besitz<< nennt; Ligeia hatte mir viel mehr, o sehr viel mehr gebracht, als f?r gew?hnlich einem Sterblichen zuf?llt. So kam es, dass ich nach einigen Monaten planlosen und erm?denden Umherwanderns in einer der wildesten und abgelegensten Gegenden des sch?nen England eine alte Abtei, deren Namen ich nicht nennen m?chte, k?uflich erwarb und instand setzte. Die d?stre und traurige Majest?t des Geb?udes, die unglaubliche Verwilderung der L?ndereien, die vielen melancholischen und altehrw?rdigen Erinnerungen, die sich an beide kn?pften, hatten viel gemein mit dem Gef?hl ?usserster Verlassenheit, das mich in jenen entlegenen und unwirtlichen Teil des Landes getrieben hatte. An dem Abteigeb?ude selbst mit seinem verwitterten, unter bl?hendem Gr?n verborgenen Mauerwerk nahm ich keine Ver?nderungen vor, dagegen widmete ich mich mit kindischem Eigensinn und wohl auch in der schwachen Hoffnung, meinen Kummer dadurch zu zerstreuen, der Ausstattung der Innenr?ume und entfaltete hier eine ganz ungew?hnliche Pracht. Ich hatte schon als Kind Geschmack an solchen Torheiten gefunden, und jetzt, da mich mein Kummer wieder hilflos machte, stellte sich jener kindliche Trieb von neuem ein. Ach, ich f?hle, wieviel Spuren von Geistesverwirrung sogar in den prunkhaften und phantastischen Draperien, in den feierlichen ?gyptischen Schnitzereien, in den grotesken M?beln, in den tollen Mustern der goldgewirkten Teppiche zu finden waren. Ich lag, ein gefesselter Sklave, in den Banden des Opiums, und meine Handlungen und Anordnungen hatten den Charakter meiner Tr?ume angenommen. Doch ich will nicht bei der Beschreibung dieser Torheiten verweilen, lasst mich nur von jenem einen verfluchten Gemach sprechen, in das ich in einem Anfall von geistiger Umnachtung sie als mein angetrautes Weib f?hrte -- als die Nachfolgerin der unvergessenen Ligeia -- sie, die blondhaarige und blau?ugige Lady Rowena Trevanion of Tremaine.

Selbst die unbedeutendste Einzelheit in Architektur und Ausstattung dieses Brautgemachs steht mir noch jetzt deutlich vor Augen. Was dachten sich nur die goldgierigen, hochm?tigen Angeh?rigen meiner Braut, als sie einem so geliebten M?dchen, einer so geliebten Tochter gestatteten, die Schwelle eines derart ausgeschm?ckten Brautgemachs zu ?berschreiten.

Trotzdem leider so manche tief bedeutsamen Dinge meinem Ged?chtnis entschwanden, so sind mir doch, wie ich schon sagte, die geringsten Einzelheiten dieses Zimmers gegenw?rtig; ich erinnere mich ihrer, obgleich in diesem phantastischen Prunk kein System, kein Halt war, an die mein Erinnern sich h?tte klammern k?nnen. Das Zimmer lag in einem hohen Turm der burgartig gebauten Abtei; es war ein f?nfeckiger Raum von betr?chtlicher Gr?sse. Die ganze S?dseite des F?nfecks nahm das einzige Fenster ein, eine ungeteilte, riesige Scheibe venezianischen Glases von bleifarbener T?nung, so dass Sonnenlicht wie Mondglanz ?ber die Gegenst?nde des Zimmers nur einen gespenstischen Schein gossen. Der obre Teil dieser ungeheuren Fensterscheibe wurde durch das Rankenwerk eines uralten Weinstocks, der an den massigen Mauern des Turmes emporkletterte, dunkel beschattet. Das d?stere Eichenholz der ausserordentlich hoch gew?lbten Zimmerdecke war mit Schnitzereien in halb gotischem, halb druidenhaftem Stil ?berladen. Genau aus dem Mittelpunkte dieser melancholischen W?lbung hing an einer einzigen goldenen, langgegliederten Kette ein m?chtiger, goldener Kronleuchter in Form eines Weihrauchbeckens, mit sarazenischem Bildwerk geschm?ckt. Dieser Kronleuchter hatte rundum viele ?ffnungen, aus denen wie lebhafte Schlangen fortw?hrend die buntesten Flammen z?ngelten.

Ein paar Ottomanen und goldene orientalische Kandelaber waren im Raum verteilt. Und da stand auch das Lager, das Brautbett! Es war nach einem indischen Modell gearbeitet; es war niedrig und aus massivem Ebenholz geschnitzt und von einem Baldachin, der einem Bahrtuch glich, ?berdacht. In jeder Ecke des Zimmers stand aufrecht ein riesiger, schwarzgranitener Sarkophag, den unsterbliche Skulpturen schm?ckten. Diese Sarkophage stammten aus den K?nigsgr?bern von Luxor. Aber noch mehr als in allem andern waltete meine unheimliche Phantasie in der Wandverkleidung des Gemachs. Die unverh?ltnism?ssig hohen W?nde waren von der Decke bis zum Fussboden mit faltenreichem schwerem Goldstoff verhangen -- demselben Stoff, der als Fuss- und Ottomanenteppich, als Bettdecke und Baldachin sowie als prunkhafter ?berhang der einen Teil des Fensters ?berschattenden Vorh?nge Verwendung gefunden hatte. Dieser Goldstoff trug in unregelm?ssigen Zwischenr?umen arabeskenartige Figuren von einem Fuss Durchmesser, die aus tiefschwarzem Stoff gearbeitet waren. Aber nur von einer einzigen Stelle aus betrachtet schienen diese Figuren nichts als Arabesken zu sein. Infolge eines heute allgemein bekannten Verfahrens, das man jedoch schon im fr?hen Altertum anwendete, boten sie dem Beschauer von jeder Seite ein andres Bild. Wenn man das Zimmer betrat, erschienen sie einfach nur wie Monstrosit?ten, je mehr man sich ihnen aber n?herte, desto bestimmtere Gestalt nahmen sie an, und Schritt f?r Schritt, je nach dem vom Beschauer gew?hlten Standpunkt, sah man sich von einer wechselnden Prozession gespensterhafter Wesen umringt, wie etwa der Aberglaube der Normannen sie ersonnen hat oder ein M?nch in s?ndenhaftem Traum sie erschauen mag. Der gespenstische Eindruck wurde noch erh?ht durch einen k?nstlich hinter die Draperien gef?hrten ununterbrochenen Luftzug, der dem Ganzen eine rastlose und abscheuliche Lebendigkeit verlieh.

In solchem Raum also, in solchem Brautgemach verlebte ich mit Lady Rowena of Tremaine die gottlosen Stunden unsres Honigmonds -- ohne viel Aufregung. Dass mein Weib vor meiner ?bellaunigkeit Furcht hatte, dass sie mir aus dem Wege ging und mir nur wenig Liebe entgegenbrachte, konnte mir nicht entgehen, aber gerade dies freute mich mehr, als wenn es anders gewesen w?re.

Ich verabscheute sie, ich hasste sie, mit einer Inbrunst, die geradezu teuflisch war. Mein Erinnern floh, o, mit welch tiefem Leidgef?hl! zu Ligeia zur?ck, der Geliebten, der Hehren, der Sch?nen, der Begrabenen! Ich schwelgte im Gedenken ihrer Reinheit und Weisheit, ihres erhabenen, ihres himmlischen Wesens, ihrer leidenschaftlichen, ihrer anbetenden Liebe. Jetzt lohte in meiner Seele noch wildre, noch heissere Flamme, als sie in ihr, in Ligeia, gebrannt hatte. In den Ekstasen meiner Opiumtr?ume -- ich lag fast immer im Bann dieses Giftes -- rief ich wieder und wieder ihren Namen durch das Schweigen der Nacht oder bei Tag durch die schattigen Schluchten der Landschaft. Es war, als ob das wilde Verlangen, die tiefernste Leidenschaft, das verzehrende Feuer meiner Sehnsucht nach der Dahingegangenen sie auf den irdischen Pfad zur?ckf?hren m?ssten, den sie -- ach konnte es denn f?r ewig sein? -- verlassen hatte.

Gegen Beginn des zweiten Monats unsrer Ehe wurde Lady Rowena pl?tzlich von einer Krankheit befallen, von der sie nur langsam genas. Zehrendes Fieber machte ihre N?chte unruhig, und in ihrem aufgeregten Halbschlummer redete sie von gespenstischen Lauten und Schatten, die im Turmzimmer und in seiner n?chsten Umgebung sich vernehmen, sich sehen liessen. Ich hielt diese ?usserungen nat?rlich f?r Einbildungen einer kranken Phantasie, die allerdings durch das unheimliche Zimmer geweckt sein konnte. Sie erholte sich schliesslich wieder -- und genas endlich v?llig. Doch nur f?r kurze Zeit; denn bald warf ein zweiter, heftigerer Anfall sie von neuem aufs Krankenlager. Und von diesem R?ckfall erholte sie, die ohnedies von zarter Gesundheit war, sich nie mehr vollst?ndig. Die Krankheitserscheinungen, die dem zweiten Anfall folgten, waren sehr beunruhigend und spotteten aller Wissenschaft und allen Bem?hungen der ?rzte. Mit dem Anwachsen ihres chronischen Leidens, das ersichtlich schon tiefer wurzelte, als dass man ihm mit Medikamenten erfolgreich h?tte beikommen k?nnen, bemerkte ich auch eine Steigerung ihrer nerv?sen Reizbarkeit und ihres schreckhaften Entsetzens bei ganz nichtigen Anl?ssen. Sie sprach wieder -- und h?ufiger und hartn?ckiger jetzt -- von den Lauten, den ganz leisen Lauten, und von den seltsamen Schatten, die sich an den W?nden regten.

In einer Nacht, es war gegen Ende September, wies sie meine Aufmerksamkeit mit mehr als gew?hnlichem Nachdruck auf diese peinigenden ?ngste hin. Sie war soeben aus unruhigem Schlummer erwacht, und ich hatte -- halb in Besorgnis und halb in Entsetzen -- das Arbeiten der Muskeln in ihrem abgemagerten Gesicht beobachtet. Ich sass seitw?rts von ihrem Ebenholzbett auf einer der indischen Ottomanen. Sie richtete sich halb auf und sprach in eindringlichem leisen Fl?stern von Lauten, die sie jetzt vernahm, die ich aber nicht h?ren konnte -- von Bewegungen, die sie jetzt sah, die ich aber nicht wahrnehmen konnte. Der Wind wehte hinter der Wandverkleidung in hastigen Z?gen, und ich hatte die Absicht, ihr zu zeigen , dass dieses kaum vernehmbare Atmen, dass diese ganz geringen Verschiebungen der Gestalten an den W?nden nur die nat?rliche Folge des Luftzuges seien. Doch ein t?dliches Erbleichen ihrer Wangen liess mich einsehen, dass meine Bem?hungen, sie zu beruhigen, fruchtlos sein w?rden. Sie schien ohnm?chtig zu werden, und keiner der Dienstleute war in Rufn?he. Da erinnerte ich mich einer Flasche leichten Weines, den die ?rzte ihr verordnet hatten, und eilte quer durchs Zimmer, um sie zu holen. Doch als ich unter den Flammen des Weihrauchbeckens angekommen war, erregten zwei sonderbare Umst?nde meine Aufmerksamkeit. Ich f?hlte, dass ein unsichtbares, doch greifbares Etwas leicht an mir vorbeistreifte, und ich sah, dass auf dem goldenen Teppich, genau in der Mitte des reichen Glanzes, den die Ampel darauf niederwarf, ein Schatten -- ein schwacher, undeutlicher, geisterhafter Schatten lag; so zart war er, dass man ihn f?r den Schatten eines Schattens h?tte halten k?nnen. Aber ich war infolge einer ungew?hnlich grossen Dosis Opium sehr aufgeregt und achtete dieser Erscheinungen kaum, erw?hnte sie auch Rowena gegen?ber nicht.

Ich fand den Wein, schritt quer durchs Zimmer ans Bett zur?ck, f?llte ein Kelchglas und brachte es an die Lippen der nahezu ohnm?chtigen Kranken. Sie hatte sich ein wenig erholt und ergriff selbst das Glas; ich sank auf die n?chste Ottomane und sah gespannt zu meinem Weib hin?ber. Da geschah es, dass ich deutlich einen leisen Schritt ?ber den Teppich zum Lager hinschreiten h?rte, und eine Sekunde sp?ter, als Rowena den Wein an die Lippen f?hrte, sah ich -- oder tr?umte, dass ich es sah --, wie, aus einer unsichtbaren Quelle in der Atmosph?re des Zimmers kommend, drei oder vier grosse Tropfen einer strahlenden, rubinroten Fl?ssigkeit in den Kelch fielen. Ich nur sah dies -- Rowena sah es nicht. Sie trank den Wein ohne Z?gern, und ich unterliess es, ihr von der Erscheinung zu sprechen, die, wie ich mir nach reiflicher ?berlegung sagte, vielleicht nur eine Vorspiegelung meiner lebhaften Einbildungskraft gewesen sein mochte, die durch die ?usserungen der Leidenden, durch das Opium und durch die sp?te Nachtstunde krankhaft erregt sein musste.

Dennoch konnte ich mir nicht verhehlen, dass die Krankheit meiner Frau, nachdem sie den Becher geleert hatte, eine rapide Wendung zum Schlimmsten nahm. Und in der dritten Nacht darauf kleideten die Dienerinnen Lady Rowena in das Leichengewand -- und in der vierten Nacht sass ich allein bei ihrem Leichnam in dem seltsamen Gemach, in das sie als meine Braut eingetreten war.

Wilde Visionen, eine Folge des Opiumgenusses, umschwebten mich wie Schatten. Meine Blicke musterten unruhig die in den Ecken des Zimmers aufgestellten Sarkophage, die ver?nderlichen Gestalten des Wandteppichs und die z?ngelnden, buntfarbigen Flammen des Weihrauchbeckens mir zu H?upten. Ich erinnerte mich der sonderbaren Erscheinungen jener Nacht, in der ?ber Rowenas Leben entschieden worden war, und blickte unwillk?rlich auf die vom Ampellicht bestrahlte Stelle des Teppichs, wo ich damals den schwachen Schein eines Schattens bemerkt hatte. Es liess sich jedoch nichts mehr sehen, und ich wandte mich aufatmend ab und heftete meine Blicke auf das bleiche und starre Antlitz der Aufgebahrten. Da ?berfielen mich tausend liebe Erinnerungen an Ligeia, und ?ber mein Herz st?rzte mit der Wucht eines Giessbaches das ganze unsagbare Weh, mit dem ich sie im Leichentuch gesehen hatte. Die Stunden gingen, und immer noch sass ich und starrte Rowena an, das Herz geschwellt vom Gedenken an die eine Einzige, die himmlisch Geliebte.

Es mochte gegen Mitternacht sein -- vielleicht etwas fr?her oder sp?ter, ich hatte der Zeit nicht geachtet --, als ein leiser, zarter, aber deutlich wahrnehmbarer Seufzer mich aus meinen Tr?umen aufschreckte. Ich f?hlte, dass er vom Ebenholzbett her kam -- vom Totenbett. Ich lauschte in angstvollem, abergl?ubischem Entsetzen -- aber der Laut wiederholte sich nicht. Ich strengte meine Augen an, um irgendeine Bewegung des entseelten K?rpers wahrzunehmen -- nicht die mindeste Regung war zu entdecken. Dennoch konnte ich mich nicht get?uscht haben. Ich hatte das Ger?usch, wie schwach es auch gewesen sein mochte, tats?chlich vernommen, und meine Seele war erwacht und lauschte. Ich heftete meine Augen durchdringend und mit aller Willenskonzentration auf den Totenleib. Viele Minuten vergingen, ehe sich auch nur das geringste ereignete, das Licht in dies Geheimnis bringen konnte. Endlich sah ich ganz deutlich, dass ein leiser, ein ganz schwacher und kaum wahrnehmbarer Hauch sowohl die Wangen wie auch die eingesunkenen feinen Adern der Augenlider ger?tet hatte. Ein namenloses Grausen, eine wahnsinnige Furcht, f?r die es keine Worte gibt, liess mich auf meinem Sitz zu Stein erstarren und l?hmte das Pulsen meines Herzens. Und doch gab mir schliesslich ein gewisses Pflichtgef?hl meine Selbstbeherrschung zur?ck. Ich konnte nicht l?nger daran zweifeln, dass wir in unserm Vorgehen allzu voreilig gewesen waren, ich konnte nicht l?nger daran zweifeln -- dass Rowena lebte. Man musste sofort Wiederbelebungsversuche anstellen. Doch der Turm lag ganz abseits von den andern Geb?uden, in denen die Dienerschaft untergebracht war -- keiner der Leute befand sich in H?rweite -- wollte ich sie zu meiner Hilfe herbeiholen, so h?tte ich das Zimmer auf viele Minuten verlassen m?ssen -- das aber durfte ich nicht wagen. Ich bem?hte mich daher allein, die Seele, die noch nicht ganz entflohen schien, wieder ins Leben zu rufen. Aber schon nach kurzer Zeit war ersichtlich ein R?ckfall eingetreten; die Farbe verschwand von Wangen und Augenlidern, die nun bleicher noch als Marmor erschienen. Die Lippen schrumpften ein und kniffen sich zusammen und trugen den gr?sslichen Ausdruck des Todes; eine widerliche, klebrige K?lte breitete sich schnell ?ber den ganzen Leib, der ?berdies vollst?ndig steif und starr wurde. Schaudernd sank ich auf das Ruhebett zur?ck, von dem ich in so fassungslosem Schreck aufgescheucht worden war, und gab mich von neuem leidenschaftlichen, wachen Visionen hin, in denen ich Ligeia vor mir sah.

So war eine Stunde verstrichen, als ich -- konnte es m?glich sein? -- ein zweites Mal von der Gegend des Bettes her einen schwachen Laut vernahm. Ich lauschte in h?chstem Grauen. Der Ton wiederholte sich -- es war ein Seufzer. Ich eilte zur Leiche hin und sah -- sah deutlich --, dass die Lippen zitterten. Eine Minute sp?ter ?ffneten sie sich und legten eine Reihe perlensch?ner Z?hne bloss. Zu der tiefen Furcht, die mich bis jetzt gebannt hielt, gesellte sich nun auch Best?rzung. Ich f?hlte, wie es dunkel vor meinen Augen wurde, wie meine Gedanken wanderten, und nur durch ganz gewaltige Anstrengung gelang es mir, mich f?r die Aufgabe, auf die mich die Pflicht nun wiederum hinwies, zu st?hlen. Sowohl auf der Stirn wie auf Wangen und Hals war jetzt ein sanftes Gl?hen zu bemerken, eine f?hlbare W?rme durchdrang den ganzen K?rper, am Herzen liess sich sogar ein leichter Pulsschlag sp?ren. Die Tote lebte, und mit doppeltem Eifer unterzog ich mich den Wiederbelebungsversuchen. Ich rieb und benetzte die Schl?fen und die H?nde und wendete alles an, was Erfahrung und eine gute Belesenheit in medizinischen Dingen erdenken konnten. Doch vergeblich. Pl?tzlich verschwand die Farbe, der Pulsschlag h?rte auf, die Lippen nahmen wieder den Ausdruck des Todes an, und einen Augenblick danach hatte der K?rper die frostige Eisesk?lte, den bleiernen Farbton, die vollkommene Starre, die eingesunkenen Formen und all die widerlichen Eigenschaften dessen, der schon seit vielen Tagen ein Bewohner des Grabes gewesen war.

Und wieder sank ich in Tr?ume von Ligeia -- und wie room, and placed them on the table. Now she pointed to them with a little hand as sweetly, faintly pink as the inside of a sea-shell. The light caught the broad wedding ring of dull gold as she did so.

Pauline took up the brushes and went up to her mistress. "I thought you wouldn't like the bed," she said, with the brusque familiarity of an old servant and friend. "In fact, I knew you wouldn't like it directly we arrived. You always wanted to sleep up in the air."

"Tiens, Pauline! I don't want to sleep anywhere to-night. Soothe me, make me comfortable. Be a good Pauline!"

The elder woman took up the brushes and stroked the shining hair with tender, loving hand. "It's been an upsetting day," she said.

Mrs. Admaston gave a sigh of relief as the kind hands busied themselves about her hair.

"Upsetting!" she cried; "that's it--just the word. I am upset. Everything has been upset. Lord Ellerdine will be fearfully upset. Oh, Pauline, just fancy our getting into the wrong train!"

The maid did not answer anything, but went on with her work.

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